SUP in Kanu-Vereinen – Ein Interview

Auf der Suche nach einem Verein für SUP wird man meist bei Kanu-Vereinen fündig. Stand-Up Paddling hat mehr Überschneidungen zum Kanufahren, als zu anderen Wassersportarten. Dies sieht auch der Deutsche Kanu-Verband (DKV) so und setzt sich für die recht neue Sportart ein.
Wir haben auf der PADDLEexpo in Nürnberg Ulrich Clausing kennengelernt. Er ist Geschäftsführer Freizeitsport beim DKV. Herr Clausing war so freundlich uns ein paar Fragen zur Arbeit des DKV in Bezug auf Stand-Up Paddling zu beantworten.

Können Sie uns kurz erklären, was der Deutsche Kanu-Verband ist und welche Zusammenhänge zum Stand-Up Paddling bestehen?

Ulrich Clausing: Der Deutsche Kanu-Verband ist der Interessenvertreter der ca. 120.000 Kanutinnen und Kanuten, die in rund 1.300 Kanu-Vereinen und 18 Landes-Kanu-Verbänden organisiert sind. Wir verstehen uns aber auch als Interessenvertreter der nicht oder anders organisierten Kanuten und auch für den gewerblichen Kanutourismus. Wir sind nicht nur seit 1992 der erfolgreichste olympische Sommer-Sportverband; sondern haben auch in den übrigen Leistungssportdisziplinen immer wieder großartige Erfolge zu verzeichnen.
Wir sind aber in erster Linie der Verband der freizeitsportlich engagierten Kanuten. Gerade die Vielfalt des Kanusports wie z.B. die unterschiedlichen Reviere oder die verschiedenen Bootstypen bieten ja unglaublich viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Und SUP ist ja eine der vielen kanusportlichen Disziplinen, denn ein Board wird ja mit einem Stechpaddel vorwärts vorangetrieben. Deshalb sehen wir es auch als eine Aufgabe an, uns dieser Sportart zu widmen.

Welche Themen verfolgt der DKV in Bezug auf den Freizeit- und Leistungssport SUP?

Ulrich Clausing: Zunächst möchten wir SUP noch mehr als bisher in das Bewusstsein unserer Kanu-Vereine bringen. Hier bestehen teilweise noch Bedenken, dass es sich nur um einen kurzfristigen Modetrend handelt, der schnell wieder abflaut. Die Entwicklungen, die wir beobachten zeigen aber ganz deutlich, dass die Zahl der SUPer ansteigt. Dies bringt ganz neue Aufgaben: wir verstehen SUP als Kanusportart. Damit gelten im Verkehrsrecht und Naturschutzrecht für SUPer die gleichen Rechte und Pflichten wie für Kanuten in einem Boot. Es ist also ein Thema, Behörden zu informieren und aufzuklären, was SUP tatsächlich bedeutet. Ein weiteres Thema ist das der Ausbildung: Wir müssen noch mehr unsere Übungsleiter und Trainer ausbilden, damit sie in der Lage sind, Anfängern das notwendige Grundwissen beizubringen oder ihre Kenntnisse so zu vertiefen, dass sie auch andere Reviere als Seen und gemächlich fließenden Flüsse befahren können.
Und im Leistungssport gilt es natürlich, Trainingsmethoden weiter zu entwickeln, damit ebenso Erfolge eingefahren werden wie bei den anderen Disziplinen. Dafür müssen Trainer ausgebildet werden, Wettkampfformate entwickelt werden und natürlich einheitliche Wettkampfregeln erstellt werden.

Warum ist es gerade für neue Sportarten und Trends so wichtig, in die Arbeit eines bestehenden Verbands bzw. dessen Vereine aufgenommen zu werden?

Ulrich Clausing: Ich gebe zu: auf den ersten Blick wirken neu gegründete, nur auf SUP zugeschnittene Organisationen viel attraktiver als ein bestehender Verband oder Verein, der SUP zunächst nur als kleinen Bruder betrachtet. Aber gerade der DKV mit seinen Landesverbänden und Vereinen ist bundesweit in der Fläche vertreten: bei Diskussionen zur Naturverträglichkeit von SUP ist er immer vor Ort der Ansprechpartner von Behörden; wir sind in der Lage aufgrund unserer Struktur und Erfahrungen und wegen der vielen Bootshäuser an Gewässern gleichermaßen Kinder und Jugendliche oder ältere SUPer aufzunehmen und wir haben die Beziehungen zu den Kommunen und können Genehmigungen oder auch Fördermittel beantragen. Und schließlich bilden wir mit den schon vorhandenen Mitgliedern eine große Einheit, die für eine erfolgreiche Interessenvertretung immer wichtig ist. Nicht zu unterschätzen sind auch unsere Kontakte zu internationalen Sportorganisationen. Der DKV ist so über die Internationale Kanu-Föderation in Entscheidungsprozesse eingebunden und kann deshalb auch Interessen für SUP wahrnehmen, ohne dass diese Beziehungsgeflechte erst mühsam aufgebaut werden müssen. Übrigens hat die Internationale Kanu-Föderation (ICF) bei ihrem Kongress Ende November in Baku mit großer Mehrheit SUP als neue Sportart aufgenommen. SUP ist somit ab sofort im Leistungssport den Sportarten Kanu-Rennsport, Kanu-Marathon und Kanu Ocean Races zugeordnet.

Welche Herausforderungen und Aufgaben werden im neuen Jahr auf den DKV zukommen, wenn es um Stand-Up Paddling geht?

Ulrich Clausing: An erster Stelle ist hier Imagearbeit zu leisten. Der DKV hat ein Positionspapier zum SUP verabschiedet, in dem er klarstellt, dass SUP Kanusport ist. Hier wollen wir die Kanu-Vereine beraten und unterstützen, SUP-Kurse anzubieten und selbst SUP-Fahrten oder Wettkämpfe zu entwickeln.
Natürlich spielt Ausbildung ebenfalls eine wichtige Rolle: Die Ausbildung unserer Ausbilder, Trainer oder SUP-Instruktoren ist hier zu nennen, um noch mehr qualifizierte Aktivitäten anzubieten. Ebenfalls muss das Thema Sicherheit in den Vordergrund gestellt werden: es gab schon die ersten Toten beim SUP-Sport. Da wollen wir natürlich darauf hinwirken, dass Sicherheit an erster Stelle steht!
Und natürlich sind Veranstaltungen wichtig: die Planung und Durchführung mit anderen Organisationen steht hier ebenso im Vordergrund wie die Aufgabe, einheitliche Wettkampfregeln zu erarbeiten.
Im Vordergrund steht aber, dass wir noch intensiver als bisher für diese tolle Disziplin werben wollen und so viele Menschen an eine aktive Freizeitgestaltung heranführen wollen.

Es gibt inzwischen neben dem DKV-Fachberater Kanu auch einen Fachberater SUP. Was hat es damit auf sich?

Ulrich Clausing: Wo kann ich das für mich passende Board bekommen? Welche Ausrüstung benötige ich? Was muss ich beachten? Diese Fragen stellt sich nicht nur der SUP-Einsteiger. Auch Fortgeschrittene, die neue Reviere befahren möchten oder sich über neueste Entwicklungen informieren wollen, stehen manchmal ratlos vor der Vielzahl an SUP-Shops, Sportgeschäften mit SUP-Boards oder unterschiedlichsten Online-Angeboten. Hier stellen in Zukunft die DKV-Fachberater –SUP eine ideale Anlaufstelle für alle Fragen rund um den SUP-Sport, so wie es ja schon seit Jahrzehnten die DKV-Kanu-Fachberater sind. Es handelt sich also um eine Orientierungshilfe für SUPer oder SUP-Interessierte, die sicher sein wollen, eine fundierte Beratung zu bekommen.

Was möchten Sie angehenden Paddlern mit auf den Weg geben?

Ulrich Clausing: Habt Spaß am SUP! Aber denkt daran, auf eure Sicherheit zu achten und auch die Belange der Natur zu beachten. Lernt SUP-Sport bei qualifizierten Anbietern – wie z.B. den Kanu-Vereinen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Clausing, und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Verbandstätigkeit.

 

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